Aufnahmeinterview

Zuletzt verändert am 24. Juli 2026 • 4 Min. Lesezeit • 640 Wörter
An increasing number of MSc study programs at our university are incorporating an interview into the admission procedure.
Aufnahmeinterview
Bild von Michael Jeltsch

Immer mehr Masterstudiengänge an unserer Universität integrieren ein Vorstellungsgespräch in das Zulassungsverfahren. Tiina Immonen vom TRANSMED-Studiengang war die Vorreiterin an der Universität Helsinki, die sich als Erste auf dieses Terrain gewagt hat. Wenn du zu einem Vorstellungsgespräch an der Universität Helsinki eingeladen wirst, hast du bereits die größte Hürde genommen, nämlich die Bewertung Ihrer Bewerbung. Um angenommen zu werden, musst du im Prinzip bloss darauf achten, das Vorstellungsgespräch nicht zu vermasseln. Du musst nicht herausragend sein, aber du musst die Erwartungen erfüllen. Der Grund dafür ist, dass Vorstellungsgespräche bekanntermaßen schwer zu bewerten sind und daher von vielen Studiengängen in erster Linie dazu genutzt werden, um Studenten mit zuvielen Warnsignalen auszusortieren.

Warnsignale

Was meine ich mit „Warnsignalen“? Warnsignale sind Dinge, die eindeutig inakzeptabel sind. Als inakzeptabel gelten typischerweise z. B. das Unverständnis grundlegender wissenschaftlicher Konzepte, Größenwahn und die völlige Unfähigkeit, auf die gestellte Frage einzugehen. Für bestimmte Studiengänge kann es auch spezifischere Warnsignale geben. Wenn du dich für einen Informatikstudiengang beworben hast und Grundkenntnisse in der Programmierung vorausgesetzt werden, würde ich es nicht durchgehen lassen, wenn du den Unterschied zwischen einer while-Schleife und einer for-Schleife nicht kennst. Oder für einen Studiengang in den Biowissenschaften solltest du das zentrale Dogma der Molekularbiologie kennen (d. h., dass sich die DNA repliziert und die Information von der DNA zur RNA und zum Protein fließt). Manchmal, wenn deine schriftliche Bewerbung an der Grenze zwischen Zulassung und Ablehnung liegt, kann ein hervorragendes Vorstellungsgespräch den Ausschlag geben! Ich bin kein großer Fan von Vorstellungsgesprächen, da sie selten die wissenschaftliche Eignung messen, sondern vielmehr die Kommunikations- und Präsentationsfähigkeiten. Versteh mich nicht falsch: Kommunikation und Präsentation sind äußerst wertvolle Fähigkeiten in der Wissenschaft, aber sie reichen alleine nicht aus.

Was passiert während des Vorstellungsgesprächs?

Da die Vorstellungsgespräche strukturiert sind, erhalten alle Bewerber die gleichen Fragen*. Falls du gebeten wurdest, eine wissenschaftliche Arbeit vorzustellen (eine vorab ausgewählte oder eine deiner Wahl), musst du darauf vorbereitet sein, Fragen zu deiner Präsentation zu beantworten. Hier sind meine Empfehlungen für das Vorstellungsgespräch:

  1. (Wenn möglich) wähle die Publikation, die du vorstellst, sorgfältig aus! Wenn du während deines Studiums an einem Projekt gearbeitet hast (Abschlussarbeit, Praktikum), ist es eine gute Idee, eine Veröffentlichung zu wählen, die in engem Zusammenhang mit dem Thema steht. Das kann eine Veröffentlichung sein, an der du mitgewirkt hast. Schließlich weißt du mehr über Dinge, die du selbst gemacht hast, als über Dinge, die jemand anderes gemacht hat.
  2. Im Idealfall verläuft das Gespräch in Form eines Dialogs. Wenn deine Antworten auswendig gelernt und einstudiert wirken, hinterlässt das keinen guten Eindruck. Sprich nicht zu schnell und zu viel. Die Grenzen sind zwar fließend, aber es geht um die Qualität und nicht um die Quantität des Inhalts.
  3. Halte dich an die Vorgaben, die dir gemacht wurden: Zeit, Anzahl der Slides und Art der Veröffentlichung (Originalartikel versus Übersichtsartikel). Achte darauf, einen Link zum Originalartikel anzugeben. Ich empfehle außerdem, dich für eine etablierte und angesehene Fachzeitschrift und eine Open-Access-Veröffentlichung zu entscheiden, anstatt für eine obskure Zeitschrift, die sich hinter einem Paywall verschanzt.
  4. Vermeide zu viel Text, sondern stelle stattdessen grafisch dar, was gemacht wurde. Einige Zeitschriften machen es dir leicht, da sie von den Autoren ein grafisches Abstract verlangen, das ein guter Ausgangspunkt für ein Slide sein kann.
  5. Ein gutes Headset und eine stabile Internetverbindung sind hilfreich. Wir nehmen es niemandem übel, wenn es Einschränkungen gibt, die du nicht umgehen kannst. Es hilft uns sehr, dein Wissen und deine Begeisterung zu würdigen, wenn wir auch akustisch verstehen können, was du sagst. Versuche daher, die Tonqualität so gut wie möglich zu gestalten.

*Alle Fragen sind für alle Bewerber gleich, es kann jedoch Ausnahmen geben: Der Interviewer könnte dir eine Frage stellen, die sich speziell auf dein Motivationsschreiben bezieht. Und solltest du zu ausführlich auf die ersten Fragen antworten, sind wir möglicherweise gezwungen, einige der folgenden Fragen zu überspringen, da für jedes Interview eine maximale Zeitvorgabe gilt.