Endlich meine Booster-Impfung bekomment!

Zuletzt verändert am 24. Juli 2026 • 4 Min. Lesezeit • 644 Wörter
Hurra, ich bin endlich geboostet!
Endlich meine Booster-Impfung bekomment!
Bild von Michael Jeltsch

Hurra, ich bin endlich geboostet! Ich habe lange darauf gewartet, mir war egal was, rein mit dem Zeug. Am Ende habe ich für die Auffrisch-Impfung den BioNTech/Pfizer mRNA-Impfstoff bekommen.UPDATE (23.01.2022):Ich habe einige Rückmeldungen zu diesem Mini-Blogpost erhalten. Ich denke eigentlich nicht mehr viel über die Impfung nach. Aus wissenschaftlich-medizinischer Sicht erscheint mir die Situation ziemlich klar. Im Folgenden werde ich in der nächsten Zeit Antworten auf einige Fragen und Behauptungen hinzufügen.

  1. **Ich glaube nicht das der mRNA-Impfstoff eine Wirksamkeit von über 90% hat.**Die >90%ige Wirksamkeit des mRNA-Impfstoffs von BioNTech/Pfizer in der Phase-III-Studie bedeutet nicht, dass nach der FDA-Zulassung im wirklichen Leben ebenso hohe Werte erreicht werden. Es gibt viele Gründe, warum die tatsächliche Wirkung wahrscheinlich geringer ist. Der vielleicht wichtigste Faktor ist, dass die Probanden, die an den Phase-III-Studien teilgenommen haben, NICHT repräsentativ für die gesamte Bevölkerung sind. Tatsächlich ist die Homogenität der Probanden eine erwünschte Eigenschaft einer Phase-III-Studie, weil sie die Interpretation der Ergebnisse vereinfacht. Trozdem ist dies kein gutes Argument gegen eine Impfung. KEINE Impfung ist zu 100% wirksam. Wenn vernünftig eingesetzt, können selbst Impfungen mit einem Wirkungsgrad von nur 50 % einen großen Unterschied machen. Wichtig ist jedoch, dass die Geimpften sich des unvollkommenen Schutzes bewusst sind und sich entsprechend verhalten. Andernfalls kann das Gefühl, geschützt zu sein, zu einem riskoreichen Verhalten und damit paradoxerweise zu mehr Infektionen führen.

  2. Warum sollte der aktuelle mRNA-Impfstoff vor Omicron schützen? Der mRNA-Impfstoff wurde auf der Grundlage des ursprünglichen Wuhan-Hu-1-Stamms entwickelt, und Omicron ist völlig anders! Es stimmt, dass Omicron im Vergleich zum Wildtyp Wuhan-Hu-1 33 Aminosäureveränderungen im Spike-Protein aufweist. Die Delta-Variante weist nur 8 Aminosäureveränderungen auf. Da das gesamte Spike-Protein 1273 Aminosäuren lang ist (Wuhan-Hu-1), sind diese Proteine immer noch sehr ähnlich und weisen weitgehend dieselbe Struktur auf, wenn auch keine vollständig identische Struktur*. Daher werden die durch den mRNA-Impfstoff gebildeten Antikörper das Spike-Protein von Omicron zwar weiterhin erkennen, jedoch weniger effizient als das Spike-Protein des ursprünglichen Wuhan-Hu-1-Stamms (sie haben eine geringere Affinität). Allerdings lässt sich eine geringere Affinität – bis zu einem gewissen Grad – durch eine Erhöhung der Menge (Konzentration) der Antikörper ausgleichen, und genau das bewirkt die dritte Impfung. Es gibt jedoch noch einen weiteren Aspekt: Die Tatsache, dass eine Verstärkung der Antikörperreaktion zu einem Übergang von der IgG-dominierten Reaktion hin zur Produktion einiger IgA-Antikörper führen könnte. Ob es sich bei all diesen Antikörpern um De-novo-Reaktionen handelt oder ob einige aus einem Klassenwechsel von Antigen-erfahrenen Zellen (von IgG zu IgA) resultieren, ist unklar. Theoretisch wäre ein solcher Wechsel sowohl zu IgGa1 als auch zu IgGa2 möglich, da die erforderlichen DNA-Sequenzen auch nach dem anfänglichen Klassenwechsel noch vorhanden sind.

Von IgG1 und IgG3 wäre ein Klassenwechsel sowohl zu IgA1 als auch zu IgA2 möglich; von IgG2 und IgG4 wäre ein Klassenwechsel nur zu IgA2 möglich. In jedem Fall gibt es, wenn auch nicht in dominanter Rolle, auch IgM-Plasmazellen und IgM-Gedächtniszellen, die theoretisch einen Klassenwechsel durchlaufen könnten. Das Gleiche gilt für die Hypermutation. Obwohl diese Zellen hypermutieren können, tun sie dies meist nicht (oder zumindest nicht in nennenswertem Umfang). Stattdessen behalten sie eine geringere Affinität und damit eine breitere Reaktivität bei, was zu einer spezifischen Fähigkeit führt, mit Varianten von Pathogenen umzugehen, was sie wiederum dazu veranlassen könnte, in Keimzentren eine weitere Reifung zu durchlaufen. Ich habe keine Ahnung, welches dieser Szenarien bei SARS-CoV-2-infizierten Menschen abläuft, die dreimal mit dem mRNA-Impfstoff geimpft wurden. Ich gehe davon aus, dass das niemand wirklich weiß, aber genau diese Unschärfe der Immunantwort macht sie widerstandsfähig gegenüber jeder Art von Herausforderung. Ich vertraue darauf, dass mein Immunsystem unscharf und klug genug ist, um auf die dritte Impfung mit einer Vielzahl heuristischer Strategien zu reagieren, die sich in der evolutionären Vergangenheit als größtenteils wirksam erwiesen haben.

  • Darüber hinaus weist Delta im Vergleich zu Wuhan-Hu-1 eine Deletion von zwei Aminosäuren auf, während Omicron eine Deletion von zwei Aminosäuren, eine Deletion von drei Aminosäuren und eine Insertion von zwei Aminosäuren aufweist.