Goodbye Finland

Zuletzt verändert am 24. Juli 2026 • 4 Min. Lesezeit • 671 Wörter
Wenn es in unserer derzeitigen Regierung einen Minister gibt, der mir gegen den Strich geht, dann ist es wahrscheinlich Arto Satonen, unser Minister für Wirtschaft und Arbeit.
Goodbye Finland
Bild von Michael Jeltsch and AI
Wenn es in unserer derzeitigen Regierung einen Minister gibt, der mir gegen den Strich geht, dann ist es wahrscheinlich Arto Satonen, unser Minister für Wirtschaft und Arbeit. Ich meine, der Mann hat zwar Recht mit seiner Ansicht, dass Finnland viel mehr Arbeitsmigration braucht, aber er macht sich etwas vor, wenn er glaubt, dass Finnland mit anderen europäischen Ländern um die begehrtesten und wertvollsten Einwanderer konkurrieren kann. Wie sonst hätte er die „Drei-Monats-Regelung“ unterstützen können, ein Gesetz, das Einwanderer aus dem Land weisen würde, die ihren Arbeitsplatz verloren und innerhalb von drei Monaten keine neue Beschäftigung gefunden haben? Diese Regelung wurde von vielen kritisiert ( https://www.hs.fi/politiikka/art-2000010770898.html  ). Wenn unser inkompetenter Arto Satonen das nicht für ein Problem hält ( https://www.hs.fi/politiikka/art-2000010770898.html  ), dann liegt das wahrscheinlich daran, dass er keine Ausländer kennt oder mit ihnen spricht, die in Berufen mit geringer Arbeitsplatzsicherheit arbeiten. Klar: es gibt immer Einwanderer, die bereit sind, nach Finnland zu kommen („Suomeen on kyllä tulijoita“), aber warum will Herr Satonen ausgerechnet den „Rattenschwanz“ aller potenziellen Einwanderer? Andere Länder mit besseren Bedingungen und einer offeneren Haltung werden die Crème de la Crème für sich gewinnen. Finnland startet im Kampf um die besten Talente bereits mit massiven Nachteilen: eine Randlage, dunkle, lange und kalte Winter sowie eine unverständliche und fast unerlenbare Sprache. Herr Satonen muss ein sehr verzerrtes Bild von der Attraktivität Finnlands für hochqualifizierte ausländische Arbeitskräfte haben. Ähnlich wie die meisten inkompetenten Politiker scheint er generell nicht sonderlich daran interessiert zu sein, seine Politik und Entscheidungen auf Fakten und Forschungsergebnisse zu stützen ( https://www.hs.fi/mielipide/art-2000011074278.html  ). Nein, Finnland ist für die meisten Ausländer kein besonders attraktives Land. Wir haben nicht nur Probleme, internationale Talente anzuziehen, sondern auch Probleme, die Talente zu halten, die wir bereits im Land haben. Da ich halb Finne bin, neige ich dazu zu vergessen, wie inkompetent sich dieses Land gegenüber seinen Gästen verhalten kann. Bitte lies den Artikel auf Yle.fi „Kiitos Suomi ja näkemiin“ ( https://yle.fi/a/74-20143543  ), wenn du wissen möchtest, was in diesem Land schiefläuft. Wenn wir dieses Land für Ausländer attraktiver machen wollen, müssen wir zunächst dem inakzeptablen Verhalten jener Menschen Einhalt gebieten, die nicht verstehen, dass die Zukunft dieses Landes von der Einwanderung abhängt. Die derzeitige Regierung unter Ministerpräsident Petteri Orpo ist nicht in der Lage, in nennenswerter Weise Abhilfe zu schaffen, da sie auf die Unterstützung der „Finnen-Partei“ (früher bekannt als „Wahre Finnen“) angewiesen ist – einer Partei mit einem wohl gefährlich hohen Anteil an Vorstrafengeplagten, ehemaligen Nazis und anderen verdächtigen Personen (ähnlich der AfD in Deutschland). Laut dem Bericht von Etla  (dem finnischen Institut für Wirtschaftsforschung) verlassen vor allem hochqualifizierte Ausländer Finnland. Wird sich daran jemals etwas ändern? Herr Satonen erhält nun unerwartete Unterstützung von Präsident Trump. In der Vergangenheit waren die USA sehr erfolgreich darin, ausländische Spitzenkräfte anzuziehen und zu integrieren, doch das Klima gegenüber Ausländern scheint sich auch dort zu wandeln. Viele meiner in den USA tätigen Kollegen sind sehr besorgt über die aktuellen Entwicklungen. Wer sowohl Wissenschaftler als auch Ausländer ist, wird von der derzeitigen US-Regierung doppelt hart getroffen. Vielleicht werden sich in Zukunft mehr Talente nach Europa orientieren. Ich habe vor kurzem aufgrund des Klimawandels darüber nachgedacht, von Finnland zurück nach Deutschland zu ziehen. Wenn der AMOC zum Erliegen kommt, wird Finnland zufrieren, und wir werden eine neue Eiszeit erleben, in der möglicherweise der größte Teil des Landes das ganze Jahr über schneebedeckt sein wird. Deutschland hingegen liegt genau dort, wo sich die globale Erwärmung und der Verlust des durch den AMOC vermittelten Wärmeaustauschs von Süden nach Norden wahrscheinlich ausgleichen werden. Deutschland wird zwar nicht von extremen Wetterereignissen wie Stürmen und Überschwemmungen verschont bleiben, aber zumindest friert man dort nicht zu Tode und wird auch nicht zu Tode gebraten. Nach den aktuellen Prognosen zur Abschwächung der AMOC und meiner Lebenserwartung werde ich wahrscheinlich noch am Leben sein, wenn die Kacke richtig anfängt zu Dampfen. UPDATE: Eine kürzlich in „Nature“ veröffentlichte Analyse  kommt zu dem Schluss, dass ein vollständiger Zusammenbruch der AMOC in diesem Jahrhundert unwahrscheinlich ist. Die Zukunft vorherzusagen ist schwierig, aber zumindest gibt es Hoffnung für Finnland!