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Non vitae sed scholae discimus („Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir“) ist ein ungefähr 2000 Jahre altes Zitat Senecas aus einem Brief an einen seiner Schüler.
Bild von Michael JeltschNon vitae sed scholae discimus („Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir“) ist ein ungefähr 2000 Jahre altes Zitat Senecas aus einem Brief an einen seiner Schüler. Meine Kinder sind der gleichen Ansicht: das meiste, was er in der Schule lernen muss, wäre nicht wichtig für das wirkliche Leben. Leider muss ich ihm (und auch viele Experten mit mir) da Recht geben. Dem Stolz und der Freunde, die den Anfang der Schullaufbahn der meisten Kinder begleiten, folgt oft innerhalb weniger Jahre die Ernüchterung. Schon wenige Wochen nach den grossen Ferien warten die Kinder nur noch auf die Herbst- und dann die Weihnachtsferien, obwohl Lernen doch Spaß machen könnte. Was läuft hier falsch? Wie schafft es die Schule so schnell, die natürliche Neugierde und Motivation der Kinder zu töten?Ich habe früher zu argumentieren versucht, dass es nicht wichitg is WAS man lernt, sondern dass man das LERNEN lernt. Und das könne man ja an beliebigen Themen. Leider ist dieses Argument ein Armutszeugnis für diejenigen, die die Lehrpläne für unsere Schulen erstellen und umsetzen. Warum lässt man dann die Schüler nicht lernen lernen an Themen, die interessant und relevant sind? Wo vor hundert Jahren Lesen, Schreiben und Rechnen genügte (und mit Rechnen meine ich die Grundrechenarten), wachsen heutzutage Wissen (leider auch Desinformation) exponentiell. Und die einzige Antwort der Schulbürokraten ist, immer mehr neuen Stoff in die Lehrpläne zu packen, ohne Altes aus den Lehrplänen zu streichen.Viele sehen das Heil in einer verstärkten Rolle der MINT-Fächer (MINT = Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik; auf Englisch STEM: science, technology, engineering and mathematics), aber gerade hier ist der Informationszuwachs so rasant, das Lehrpläne und vermutlich auch die meisten Lehrer nicht annährend mit der Realität mithalten könnten, auch wenn das zu vermittelnde Wissen unmittelbar relevant wäre. Deshalb sind heute Lehrer gefragt, die ihren Schüleren nicht nur Fakten sondern auch die Natur von Wissen und Realität nahezubringen imstande sind. Solche Konzepte kann man gerade mit hochaktuellen und interessanten Themen vermitteln, z.B. Klimaveränderung: warum wir wissen, was wir wissen; was ist der Unterschied zwischen “Fakten” und “Meinungen”, warum gibt es in der Wissenschaft keine “Wahrheit” gibt, warum es trozdem Theorien, gibt, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit richtig sind und was eigentlich “richtig” und “falsch” in der Wissenschaft bedeutet und warum Wissenschaft eben keine Anhäufung von Fakten ist, sondern eine Methode. Und zwar die besten Methode, die wir kennen, um uns der Realität zu nähern (damit oute ich mich als Gegner der postmodernen Beliebigkeit, die auch die Wissenschaft als kulturbestimmt und ohne irgendwelche spezielle Beziehung zur Realität oder zur Wahrheit betrachtet).Die aktuellen Lehrpläne (zumindest die der Schule meiner Kinder) bereiten auf das vor, was vorgestern wichtig war. Die heutigen Kinder brauchen anstatt Stoffwissen Methoden. Und die Methoden kann man anhand eines Stoffes lernen, der interessant für jedes individuelle Kind ist. Und dabei geht es auch nicht um die Stoffmenge, sondern eher um die Tiefe. Kreativiät, Engagement und Verantwortung sind andere Dinge, die heutige Schulen lehren sollten und die für das Überleben der Menschheit unabdingbar sind; mehr zu diesem Thema gibt es zuhauf im Internet, hier nur zwei Links zur Anregung:
https://www.cicero.de/kultur/wir-brauchen-eine-bildungsrevolution/51963
und
http://www.spiegel.de/plus/a-00000000-0002-0001-0000-000158147643/
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