Die Art der Verabreichung ist weiterhin Kernproblem der VEGF-Therapie
Zuletzt verändert am 24. Juli 2026 • 2 Min. Lesezeit • 411 Wörter
Die bloße Injektion eines im Labor hergestellten Wachstumsfaktors in den Körper reicht nicht aus, um das zu kopieren, was der Körper natürlicherweise tut. Das liegt daran, dass unsere eigenen Wachstumsfaktoren am richtigen Ort, zur richtigen Zeit und in der richtigen Menge freigesetzt werden und ihre Werte über Rückkopplungsschleifen ständig angepasst werden.
Nehmen wir zum Beispiel den Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF)-A: Der Körper produziert ihn in Geweben, die nicht genug Sauerstoff bekommen. Dort bildet er einen Gradienten: viel VEGF-A in Bereichen ohne Sauerstoff, weniger in sauerstoffreichen Bereichen. So wissen Blutgefäßzellen, wo und wie sie neue, gut organisierte Blutgefäße wachsen lassen müssen, um Sauerstoff zuzuführen. Man geht davon aus, dass VEGF-C auf ähnliche Weise für das Lymphsystem (das Netzwerk von Gefäßen, das überschüssige Gewebeflüssigkeit ableitet) funktioniert. VEGF-C reagiert jedoch eher auf Gewebedruck und Entzündungen, nicht auf Sauerstoffmangel (“Hypoxie”).
Momentan weiß niemand, wie man VEGF-A oder VEGF-C so verabreichen kann, dass zuverlässig neue Blut- oder Lymphgefäße wachsen. Wenn wir das wüssten, würden viele Herzchirurgen arbeitslos werden, da wir eine sklerotische Herzarterie behandeln könnten, indem wir den Körper dazu anregen, einen „natürlichen Bypass“ wachsen zu lassen, anstatt eine Bypass-Operation durchzuführen. Ein Forschungsteam unter der Leitung von Seppo Ylä-Herttuala ist der Verwirklichung dieses Ziels vielleicht näher als jeder andere: Sie testeten VEGF-D, das das Wachstum sowohl von Blut- als auch von Lymphgefäßen anregen kann, um dem Herz beim Heilvorgang nach einem Infarkt zu helfen.
Eine VEGF-C-Behandlung namens Lymfactin, die mit einem Virus verabreicht wurde, erreichte klinische Studien der Phase II für Lymphödeme (chronische Schwellung aufgrund unzureichender Lymphfunktion). Nach Phase II war allerdings Schluss, weil der effekt nicht gross genug war. Wahrscheinlich weil das Virus vom Immunsystem schnell beseitigt wurde, sodass die Wirkung nicht sehr lange anhielt. Forscher suchen daher nach alternativen Verabreichungsmethoden.
In unserer jüngsten Studie haben wir Lignin-Nanopartikel aus Weinrebenabfällen verwendet, um VEGF-C zu transportieren. Die Idee war, VEGF-C langsam freizusetzen, damit es den Zellen länger zur Verfügung steht. Wir fanden heraus, dass Lignin-Nanopartikel VEGF-C zwar über einen längeren Zeitraum verfügbar machen, diese Verlängerung allein jedoch wahrscheinlich nicht ausreicht, um eine bedeutsame verbesserte klinische Wirkung zu erzielen. Darüber hinaus scheint VEGF-C ein ziemlich stabiles Protein zu sein, da es von sich aus vielen Proteasen sowie langer Einwirkung höherer Temperaturen widerstehen konnte. Wir folgern, dass Nanopartikel wahrscheinlich keinen großen zusätzlichen Schutz bieten. Aus diesem Grund glauben wir, dass die Verwendung von pro-VEGF-C (einer inaktiven Vorstufe von VEGF-C) in Zukunft möglicherweise besser funktioniert; pro-VEGF-C ist jedoch schwerer herzustellen. Sie können den vollständigen Forschungsartikel hier lesen: https://doi.org/10.1016/j.ejpb.2025.114860