Ende September
Zuletzt verändert am 24. Juli 2026 • 1 Min. Lesezeit • 201 WörterSándor Petőfis „Szeptember végén“ ist ein romantisches Lyrikgedicht, in dem die verblassende Schönheit des Spätherbstes die Vergänglichkeit der Jugend und die Unausweichlichkeit des Todes symbolisiert.

Ende September
Noch sprießen die duftigen Blumen im Hage,
Noch grünt vor dem Fenster die Espe so schön,
Doch siehst du dort drüben des Winters Gelage?
Verhüllet vom Schnee sind die bergigen Höhn.
Noch fühl' ich Hochsommer im Herzen mir wogen,
Der wonnigste Frühling noch blüht mir darin,
Doch sieh' da mein Haar schon vom Silber durchzogen,
Den Reif schon des Winters mein Haupt überziehn.
Es welket die Blume, entschwindet das Leben,
Komm', komm' meine Gattin mir her in den Arm!
Die jetzt an die Brust mir das Köpfchen gegeben,
Senkst morgen du's nicht auf mein Grab voller Harm?
Wenn vor dir ich sterbe, o sprich', wirst du breiten
Das Leichentuch tränenden Augs auf die Bahr'?
Und könnt' eines anderen Lieb' dich verleiten,
Vom Namen zu lassen, der mein Name war?
Doch wirfst du von dir der Verwitweten Schleier,
So pflanz' auf mein Grab ihn als Trauerpanier,
Ich steig' dann empor aus dem Grabesgemäuer
Um Mitternacht, - nehme hinab ihn zu mir:
Die Tränen um dich, du Geliebte, zu stillen,
Die leichthin vergessen du hast deinen Mann,
Die Wunden des Herzens damit zu verhüllen,
Das ewig dich liebet, selbst dort noch, selbst dann!Petőfi Sándor; Koltó, 1847 (Übersetzung von Ladislaus Neugebauer (1845-1919)