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Ich hab’ mir beim Fahrradfahren das Bein gebrochen
Bild von Michael JeltschBei einem Fahrradunfall habe ich mir den distalen Teil des Wadenbeins (Fibula) gebrochen. Die Straße muss am Nachmittag noch vereist gewesen sein, oder vielleicht waren es auch die nassen Blätter. Es passierte auf dem Heimweg, daher handelt es sich nach finnischem Recht technisch gesehen um einen Arbeitsunfall. Das ist zwar total ärgerlich, bot mir aber einen weiteren Einblick in das finnische öffentliche Gesundheitssystem. Ich wurde heute aus dem Töölö-Krankenhaus entlassen, nachdem ich dort vier Nächte in einem gemischten 6-Bett-Zimmer verbracht hatte.Überraschend wenig SchmerzenSolange ich mein Bein hochlege, sind die Schmerzen so gut wie nicht vorhanden, dass ich die Schmerzmittel am letzten Tag nach Rücksprache mit dem Arzt komplett weggelassen habe. Ich wollte wenigstens ein bisschen Schmerz spüren. Wie hätte ich sonst wissen sollen, dass ich mein Bein schonen muss?Die Gesundheitskosten niedrig haltenIn der ersten Nacht lag ich in einem Zweibettzimmer zusammen mit einem nervigen Zimmergenossen, der nicht einmal aufhörte zu reden, nachdem ich deutlich gemacht hatte, dass ich schlafen wollte; das war gegen Mitternacht. Dann griff er die Pflegekräfte wiederholt verbal an und verschanzte sich später auf der Toilette. Als die Sicherheitskräfte kamen, um die Situation zu klären, wurde ich zunächst aus dem Zimmer auf den Flur und später in das Sechsbettzimmer gebracht. Es versteht sich von selbst, dass ich nicht viel geschlafen habe. So hält Finnland seine Gesundheitskosten niedrig: Die Einrichtung ist überbelegt und das Pflegepersonal überlastet. Ich war eigentlich überrascht, wie gut sie die Situation angesichts der Umstände und von Patienten wie meinem Zimmergenossen gemeistert haben. Sie waren immer sehr freundlich und hilfsbereit.OperationVielleicht – und hoffentlich – haben die Einsparungen bei den Gesundheitskosten noch nicht die Fachkompetenz des Personals erreicht. Es macht mir nichts aus, vier Nächte in einem Sechsbettzimmer zu schlafen, solange die Operation nach dem standard of care (was ist “standard of care” überhaupt auf Deutsch? Behandlungsstandard?) durchgeführt wird. Die Operation war notwendig, denn obwohl die Fraktur nicht verschoben war, war sie doch so stark gewinkelt, dass eine suboptimale Heilung zu erwarten gewesen wäre, wenn sie ohne Operation (nur durch Gipsversorgung) behandelt worden wäre. Die Operation wurde nicht unter Vollnarkose, sondern unter Spinalanästhesie durchgeführt. Die Operation verlief gut, die Heilung wird jedoch ihre Zeit brauchen, aber bisher sieht alles gut aus. Ich habe sechs Wochen Krankschreibung bekommen. KrankenhausessenDas Krankenhausessen wurde seinem Ruf gerecht: Am vierten Tag litt ich unter so starker Verstopfung, dass ich dachte, meine Hämorrhoiden würden platzen und die Nähte reißen, als ich versuchte, meinen Stuhlgang zu verrichten. Das frische Gemüse und Obst bestand meist aus ein paar dünnen Alibi-Scheiben Gurke oder Tomate. Kein Wunder, dass es zu wenig Ballaststoffe gab. **Die größten Verlierer:
Helpdesk der Universität Helsinki
und
Tele Finland
**Die größte Enttäuschung während des Krankenhausaufenthalts waren der IT-Helpdesk der Universität Helsinki und mein Mobilfunkanbieter Tele Finland: Ich hatte mehrere Experimente im Labor laufen und um Anweisungen zum weiteren Vorgehen zu geben, musste ich mich über
SSH
(und
nomachine
über SSH) verbinden. Es gelang mir nicht, das VPN unter Android zum Laufen zu bringen. Der
Link zur detaillierten Anleitung auf der Hilfeseite der Universität
war (wie üblich) defekt. Aber selbst wenn er funktioniert hätte, hat sich wohl bisher niemand die Mühe gemacht, eine Anleitung für ein Betriebssystem bereitzustellen, das weltweit nur etwas mehr als 500 Millionen Mal installiert ist.Die Universität Helsinki nutzt
OpenVPN
und es gibt einen
offiziellen OpenVPN-Client für Android
. Als ich jedoch eine E-Mail an den Helpdesk schickte, wurde meine E-Mail nicht einmal gelesen. Man teilte mir mit, ich könne über die VPN-Weboberfläche auf meine Dateien zugreifen. Das trifft natürlich nur zu, wenn man den Netzwerkordner auf einem Windows-Rechner nutzt, um seine Dateien zu speichern. Meine zweite E-Mail, in der ich noch einmal deutlich darauf hinweise, dass ich von Android aus SSH-Zugriff auf meinen Desktop-Computer benötige, ist bis heute unbeantwortet.Um dieses Problem zu umgehen, habe ich versucht, über mein Android-Smartphone (Samsung Galaxy S3) und mein Lenovo-Convertible S10-3t (Dual-Boot mit Windows 7 und Ubuntu 12.04) eine Internetverbindung herzustellen. Das Tethering hat jedoch nicht funktioniert. Ich habe mich an Tele Finland gewandt, um zu fragen, ob dies auf Richtlinien zurückzuführen ist oder ob es sich lediglich um einen Fehler handelt. Bis heute keine Antwort. Daher gehe ich davon aus, dass es sich um eine Richtlinie handelt. Das Tethering hat mit meinem alten HTC Desire (mit
CyanogenMod 7.1
) und
Saunalahti
einwandfrei funktioniert. Ich habe versucht, mein Galaxy S3 von 4.04 auf 4.1 zu aktualisieren, aber für diesen Vorgang ist ein mit dem Internet verbundener Windows-Rechner erforderlich (den ich nicht nutzen konnte, da das Tethering nicht funktionierte).